Functional Training erklärt

Functional Training erklärt – Teil 1

Einleitung

Functional Training ist nicht neu, sondern begegnet uns schon seit einigen Jahren und ist zurzeit wahrscheinlich einer der Overused Terms im Trainingsmarkt. Ganze 23.600.000 Ergebnisse erhält man bei der Internetsuche nach Functional Training. In der Reihe Functional Training erklärt möchte ich dir meinen Ansatz eines ausgewogenen Trainings näher bringen.

Beispiel Frau Functional Fitness


Es gibt im Fitnessmarkt das Phänomen, bei dem das Trendpendel sehr extrem in eine bestimmte Richtung des Angebotsspektrums ausschlägt. Momentan trifft dies den Bereich des Functional Trainings! Es gab eine Zeit, in der viele Trainer die – wie ich sie nennen möchte – „Cirque de Soleil”-Trainingsmethode genutzt haben. Die Philosophie hinter dieser Methode verurteilte jede Trainingsübung unterhalb der Komplexität eines einarmigen Schulterdrückens mit Kurzhantel bei gleichzeitigem Einbeinstand auf einem BOSU®-Balance-Trainer als nicht funktional und nicht alltagstauglich. Das Problem dieser Philosophie ist ein Doppeltes. Zum einen ist die Wahrscheinlichkeit, ein einarmiges Schulterdrücken mit Gewicht durchzuführen, bei dem man auch noch einbeinig auf einem labilen Untergrund steht, im Alltag relativ gering, und zum anderen, je mehr Instabilität wir einer Übung hinzufügen, desto weniger Belastung können wir verkraften.

Dieser Trainingstyp erlaubt es uns, das zentrale Nervensystem zu überlasten, ermöglicht aber kaum einen „Overload” unserer Muskulatur, um die notwendigen Trainingsreize zu setzen. Ein Beispiel für ein Konzept, welches einen gewissen Wert haben könnte, aber zu extrem ausgelebt wurde. Die Gegenreaktion auf diese extreme Philosophie war ein starker Schwung des Pendels in die andere Richtung. Ab sofort stand ein Training mit Swiss Bällen, Balance Boards etc. in einem etwas negativen Licht und sinnvolle Hilfsmittel wurden von einigen Trainern und Therapeuten komplett aus ihrem Wirkungskreis verbannt.

Während viele Menschen dazu neigen, zu glauben, dass es nur eine einzige überlegene Trainingsform gibt und alles andere, was nicht in diese Philosophie passt, wertlos ist, bin ich der Meinung, dass es viele verschiedene, effektive Trainingsformen gibt und auch geben sollte. Was auch immer zur Erreichung von Zielen beiträgt, wird genutzt. Wenn ich von Functional Fitness spreche, spreche ich von der Fähigkeit, die tägliche „Funktionalität” zu verbessern und zwar durch Bewegungsmuster, die wir Menschen jeden Tag nutzen. Einfache, effektive Workouts ohne „Netz und doppelten Boden”.

Die einseitigen Tätigkeiten in Beruf und Freizeit führen häufig zu einem allgemeinen Bewegungsmangel mit Haltungsschwächen, die Fitness nimmt ab und damit auch die Lebensqualität. Der aktuelle Trend ist „back to the roots“, weg vom Extremsport und übertriebenem Abnehmwahnsinn hin zum ausgewogenen Sport, bei dem die Steigerung des Wohlbefindens und die Prävention von Krankheiten im Mittelpunkt steht.

Functional Training erklärt greift auf altbewährte Trainingsprinzipien zurück und verbindet diese effizient miteinander. Es übernimmt die natürlichen Aufgaben des Körpers, seine Bewegungen und Funktionen und trainiert die Bewegungsmuster aus dem täglichen Leben, um die Einheit von Körper, Geist und Seele ins Gleichgewicht zu bringen und dieses langfristig zu erhalten.

Das Ziel des Functional Trainings besteht darin, den Körper „aufzuwecken” und beweglich für das Leben zu machen. Dies geschieht durch:
❱❱ gezielte Bewegung möglichst aller Muskeln und Gelenke des Körpers.
❱❱ gezielte Bewegung und Aktivierung der Wirbelsäule.
❱❱ Aktivierung des neurologischen Systems.
❱❱ Aktivierung des Nervensystems.
❱❱ Aktivierung des Muskelsystems.

Die Übungen meines Functional-Training-Programms machen Menschen stärker, kraftvoller und sind von vielen Trainingsphilosophien beeinflusst. Meine langjährigen, internationalen Erfahrungen im Trainingsbereich und der ständige Austausch mit Personal Trainern in den USA machen mein Konzept zu einem einzigartigen Angebot. Diese Reihe soll dir einen Einblick in meine Welt des Functional Trainings geben.

Programmerstellung
Functional Training mit Lamar

Definition

Functional Training ist eine revolutionäre Trainingsmethode aus den USA, die auf uralten Wurzeln basiert. Functional Training erklärt sich als aktueller Hype oder als In-Wort der Sportszene. Dabei werden die Inhalte dieser Trainingsform nach wie vor kontrovers diskutiert. Am besten gelingt eine Definition dieser Trainingsform, wenn man sich die ursprüngliche Bedeutung der einzelnen Wörter einmal genauer anschaut.

Funktion kann definiert werden als das Ausführen einer Handlung, für die eine Person besonders ausgestattet oder für die sie bestimmt ist. Das heißt, eine Funktion hat einen bestimmten Zweck.
Training hingegen bezeichnet einen komplexen Handlungsprozess, der eine veränderte Entwicklung durch die Verarbeitung von Reizen hervorruft.

Zusammenfassend könnte man also sagen, dass Functional Training Bewegungen entwickelt oder trainiert, für die der Körper geschaffen wurde, mit dem Ziel, ein verändertes – im Idealfall gesteigertes – Wohlbefinden zu erreichen. Ein zweckmäßiges Training also. Zweckmäßig ist aber relativ, da es immer von der individuellen Situation abhängt. So können wir einen Maurer dahin gehend trainieren, dass er seine Tätigkeiten des schweren Hebens, Bückens und Streckens, diagonalen Reichens besonders effektiv ausführen kann, die alte Dame benötigt hingegen die notwendige Beinkraft und Koordination, um ihre Wohnung im dritten Stock über die Treppe zu erreichen und der Leistungsfußballer braucht, neben Schnelligkeit, Kraft und Ausdauer, vor allem auch eine gute Reaktionsfähigkeit und Ballkoordination. Dabei können alle diese Faktoren nicht isoliert betrachtet werden. Der menschliche Körper stellt ein Gesamtkunstwerk von äußerster Komplexität dar. Verschiedene Körpersysteme und deren Einzelteile ermöglichen durch ihr ständiges Zusammenspiel die Funktionen, die unser Leben bestimmen. In seiner heutigen, dem jeweiligen Lebensraum angepassten „Bauweise“ ist der Mensch das Ergebnis eines langen evolutionären Prozesses.

Daher müssen wir auch dem funktionalen Training einen individuellen Spielraum einräumen.

Einen Spielraum, den Personal Trainer wie ich zugunsten des Kunden nutzen und damit bestmögliche Erfolge erzielen.

Halten wir noch einmal fest, Functional Training hat folgende Merkmale:
❱❱ alltags- und/oder sportartspezifisch.
❱❱ individuell, aber doch spezifisch.
❱❱ vielseitig und abwechslungsreich.
❱❱ progressiv.

Dabei verfolgt es fünf globale Prinzipien:

1. Integrieren, nicht isolieren. Training von komplexen Bewegungsabläufen, d. h., es werden nicht nur einzelne Muskeln isoliert, sondern gesamte Muskelketten trainiert, so wie sie auch im Alltag ihren Einsatz finden.
2. Mehrdimensionale Bandbreite. Es werden Bewegungsmuster aus dem täglichen Leben (Alltag, Beruf, Sport etc.) trainiert, die mehrere Gelenke auf verschiedenen Ebenen beanspruchen.
3. Qualität vor Quantität.
4. Nutzung körpereigener Stabilisatoren, vor allem der Rumpfstabilität anstelle von externen Stabilisatoren, wie Stühlen, Bänken etc.
5. Eingehen auf korrigierbare Kompensationen und Dysfunktionen.

Bei allen diesen Prinzipien sind Körperwahrnehmung und Koordination wesentliche Bestandteile des Trainings. Ebenso wird ein Fokus auf Muskel- und Gelenkmobilität gelegt, Bereiche, die in einigen Trainingsformen leider immer noch wenig Beachtung finden, die aber für eine gute Lebensqualität und für die Verletzungsprävention im Sport sehr wichtig sind.

Fortsetzung folgt.

Functional Training erklärt dir nächste Woche welche Muskelpartien durch das Training angesprochen werden.

Zum nächsten Artikel aus der Reihe: Functional Training erklärt!

Ein paar Übungen findest du hier:

Außerdem findest du alles zu Functional Training in meinem Buch Functional Fitness That‘s it!

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