Functional Training erklärt

Functional Training erklärt – Teil 2

Die Muskulatur

Sprechen wir über die drei (vier) Systeme, die die Funktionen des menschlichen Körpers maßgeblich in unserem täglichen Leben bestimmen: das zentrale Nervensystem, das Nervensystem und die Muskulatur. Ein weiteres System, das Skelettsystem, sollte auch Berücksichtigung finden.

zentrales Nervensystem
Das Zentrale Nervensystem

Diese Systeme bilden eine Art Symbiose oder Interessengemeinschaft. Aus dem technischen Leben könnten wir sie mit einem Automobil vergleichen, bei dem ein wesentlicher Bestandteil nicht ohne einen anderen funktioniert. So kann beispielsweise der Motor nicht ohne die Kraftstoffversorgung und die Zündanlage arbeiten, diese wiederum nicht ohne die Elektrik und ganz entscheidenden Einfluss hat auch das Kühlsystem. Danach geht es weiter mit dem Getriebe, dem Fahrwerk, den Rädern und Reifen. Aber auch Karosserie und Fenster sowie der komplette Innenraum machen ohne die bisher genannten Systeme keinen Sinn und machen das Auto erst zum Auto, mit all seinen von uns Menschen erwarteten Funktionen. Würden wir die komplette Technik und deren Vernetzung entfernen, bliebe nur der „nackte Körper“ des Autos, die Karosserie. Also müssen wir verstehen, wie wichtig es ist, dass JEDES einzelne System funktioniert, denn jedes System wird zum Problem des Ganzen, wenn es nicht richtig funktioniert.

Muskulatur

Damit dieses Zusammenspiel intakt ist, müssen im menschlichen Körper die einzelnen Organe – ähnlich wie alle Drähte und Bauteile eines Autos – direkt oder indirekt miteinander verbunden sein. Das Skelett, das dem Körper Halt und Form gibt, ermöglicht solche Verbindungen. Über ein Gerüst aus Knorpeln und Knochen, aber auch über das übergreifende Netzwerk an Faszien, haben nahezu alle Organe Kontakt zueinander und werden gleichzeitig geschützt. Lebenswichtige Stoffe, wie rote Blutkörperchen zum Sauerstofftransport und Mineralsalze, haben wir ebenfalls unseren Knochen zu verdanken. Vielfältige Rezeptoren in den Faszien sorgen darüber hinaus für einen umfangreichen Informationsaustausch.

 

Die Muskulatur

Hier könnte jetzt ein mehr oder weniger umfangreicher Beitrag zur Anatomie, den einzelnen Muskelsystemen und deren Funktionen folgen. Da dieser Artikel aber den Schwerpunkt auf die Trainingsinhalte legt, verweise ich auf die vorhandene Literatur, die sich ausgiebig rein diesem Thema gewidmet hat und möchte hier nur kurz auf die mir wichtigen und für das praktische Training relevanten Bereiche eingehen.

Beim erwachsenen Menschen setzt sich das Skelett aus etwa 206 Einzelknochen zusammen, die über echte oder unechte Gelenke miteinander in Verbindung stehen. Unser Körper besitzt etwa 650 Muskeln, ohne deren Existenz der Mensch zu Bewegungen nicht in der Lage wäre. Bei dem „intelligenten“ System Mensch ist es unwahrscheinlich, dass eine so hohe Anzahl an Muskeln nur für Inaktivität und Ruhe ausgebildet wurde! Im Gegenteil, der Mensch ist genetisch für Bewegung und Dauerbelastung konstruiert. Unsere Muskulatur wiegt mehr als unser Knochengerüst (= Skelett). Während die Muskulatur etwa 40 % unseres Körpergewichts ausmacht, liegt der Anteil des Skeletts lediglich bei etwa 14 %. Das Zusammenspiel von Muskel-, Skelett- und Nervensystem ermöglicht die menschliche Bewegung. Jede unserer Bewegungen oder Haltungen erfordert eine Aktivität gewisser Muskeln. Muskelbewegungen können nur in Verbindung mit dem Nervensystem und dem Gehirn stattfinden.

Durch unsere Sinnesorgane nehmen wir Reize und Empfindungen wahr, die über das Nervensystem an das Gehirn geleitet werden. Dieses reagiert mit entsprechenden „Befehlen“, die wiederum durch das Nervensystem an die Muskeln weitergeleitet werden. Jeder dieser Muskeln ist ein separates Organ, das aus Skelettmuskelgewebe, Blutgefäßen, Sehnen und Nerven besteht. Muskelgewebe findet man auch im Herzen, in den Verdauungsorganen und Blutgefäßen. In diesen Organen sind Muskeln für den Transport von Substanzen durch den Körper zuständig. Sie sind unentwegt in Aktion. Man kann sie nicht bewusst steuern. Ein Beispiel hierfür ist die Lungenmuskulatur, wir können sie nicht bewusst von der Aktion entbinden.

Festgehalten werden muss daher, dass es drei Arten von Muskelgewebe gibt:
❱❱ viszerale oder unwillkürliche (= glatte) Muskulatur,
❱❱ Skelett- oder willkürliche (= quer gestreifte) Muskulatur,
❱❱ Herzmuskulatur (spezielle, quer gestreifte Muskulatur).

Viszerale Muskulatur

Viszerale Muskulatur findet man in Organen, z. B. im Magen, im Darm und in den Blutgefäßen. Sie ist das schwächste Muskelgewebe und sorgt dafür, dass Organe sich für den Transport von Substanzen kontrahieren. Da viszerale Muskulatur nicht bewusst gesteuert werden kann, wird sie auch als unwillkürliche Muskulatur bezeichnet. Außerdem wird sie aufgrund ihrer glatten, gleichförmigen Erscheinung im mikroskopischen Bild auch glatte Muskulatur genannt. Im Gegensatz dazu sind die Herz- und die Skelettmuskulatur quer gestreift.

Herzmuskulatur

Die Herzmuskulatur sorgt dafür, dass Blut durch den Körper gepumpt wird. Sie kann nicht bewusst gesteuert werden und ist daher ein unwillkürlicher Muskel. Die Herzmuskulatur erregt sich selbst und kontrahiert sich dadurch. Hormone und Hirnsignale regulieren jedoch die Kontraktionsfrequenz. Der natürliche Herzschrittmacher besteht aus Herzmuskelgewebe, das andere Herzmuskelzellen erregt, damit diese sich kontrahieren. Aufgrund dieser Eigenerregung sagt man, dass die Herzmuskulatur autorhythmisch funktioniert bzw. intrinsisch gesteuert wird. Die Zellen der Herzmuskulatur sind gestreift – unter einem Lichtmikroskop betrachtet, scheint es, als besäßen sie helle und dunkle Streifen. Diese hellen und dunklen Streifen entstehen durch die Anordnung von Proteinfasern in den Zellen. Die Querstreifung zeigt an, dass eine Muskelzelle, im Gegensatz zur viszeralen Muskulatur, sehr stark ist.

Skelettmuskulatur

Die Skelettmuskulatur ist die einzige willkürliche Muskulatur im menschlichen Körper – sie wird bewusst gesteuert. Jede körperliche Aktivität, die ein Individuum bewusst durchführt (z. B. Sprechen, Laufen oder Schreiben), erfordert Skelettmuskulatur. Ein Skelettmuskel kontrahiert sich, um Körperteile näher zu dem Knochen zu bringen, an dem er befestigt ist. Die meisten Skelettmuskeln sind über ein Gelenk hinweg an zwei Knochen befestigt, sodass der Muskel dazu dient, Teile dieser Knochen näher zusammenzubringen. Skelettmuskelzellen bilden sich dadurch, dass sich viele kleinere Vorläuferzellen zu langen, geraden, mehrkernigen Fasern bündeln.

Wie die Herzmuskulatur ist die Skelettmuskulatur quer gestreift und die Skelettmuskelfasern sind sehr stark. Die Bezeichnung der Skelettmuskulatur rührt daher, dass diese Muskeln an mindestens einer Stelle mit dem Skelett verbunden sind.

Der Bezug zum Training – Was ist wichtig?

Wenn man sich das anatomische Muskelsystem genauer ansieht, fällt schnell auf, dass die meisten Muskeln diagonal oder horizontal verlaufen. Der Großteil der Rumpfmuskulatur (zwischen den Sitzbeinhöckern und dem oberen Teil des Brustbeins), genauer gesagt, 87,5 %, verläuft diagonal oder horizontal. Rotationsbewegungen sind ihre Hauptfunktion.

Die folgende Tabelle zeigt, dass der Körper für Rotationsbewegungen geschaffen ist. Die meisten Rumpfmuskeln werden in vertikale (keine diagonalen oder Rotationsbewegungen) und nicht vertikale (diagonale, horizontale und Rotationsbewegungen) Muskelgruppen unterteilt. Manchmal wird zwischen großen und kleinen Muskeln unterschieden und angegeben, zu welchem Grad sie an der Rotation beteiligt sind oder die Rotation unterstützen.

Einige Beinmuskeln wurden einbezogen, da sie mit dem Beckenboden verbunden sind und dazu beitragen, den Körper zu drehen, wenn er sich auf dem Boden befindet. Sieht man sich die unten stehende Tabelle an, erkennt man, dass die Hauptfunktion des Körpers die Rotation ist. Dennoch wird der Rotation in Standardtrainingskonzepten nur wenig oder gar keine Beachtung geschenkt.

Die Spirale ist ein universaler Grundbaustein unseres Bewegungssystems. Unser Körper ist nach den gleichen Funktionsprinzipien gebaut. Rotationen sollten somit in nahezu jedem Training eine wichtige Funktion einnehmen.

Liste Muskeltraining

Lamar Workout

 

Komplexität im Training
1. Haltung
2. Koordination
3. Gleichgewicht
4. Biomechanische Achse
5. Schnelligkeit
6. Kraftkomponenten
7. Beweglichkeit
8. Ausdauer

 

 

 

 

 

 

 

Im nächsten Beitrag erfährst du alles über das Skelettsystem und wie du hierfür besser trainieren kannst.

Ein paar Übungen findest du hier:

Außerdem findest du alles zu Functional Training in meinem Buch Functional Fitness That‘s it!

 

2 Gedanken zu „Functional Training erklärt

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