Interview mit Adrian Franke

American Football – Adrian Franke

Adrian Franke ist Redakteur bei dem europaweit bekannten Online-Portal SPOX.com. Sein Kernressort ist die NFL; in den letzten drei Jahren hat er dort erfolgreich eine der größten deutschsprachigen NFL-Seiten mit einer sehr aktiven Community aufgebaut. Aktiv ist er außerdem in mehreren deutschen NFL-Podcasts und auf Twitter.

Als Autor bei unserem Partner dem Meyer & Meyer Verlag hat er das Buch American Football – Alles was man wissen muss geschrieben. In seinem Buch erklärt er Alles rund um das Thema American Football, erklärt Begriffe und beschreibt Zusammenhänge und Abläufe.

Wir hatten das Glück ihn als Autoren für ein Interview gewinnen für DeinFitnesscoach zu können, um ein wenig Abwechslung in unseren Blog zu bringen.

Herr Franke, Sie sind Redakteur des europaweit bekannten Onlineportals SPOX.com. Seit Herbst 2015 ist Ihr Kernressort die NFL und Sie haben binnen der kurzen Zeit eine der größten deutschsprachigen NFL Seiten ins Leben gerufen, die sich einer aktiven und stetig wachsenden Community erfreut. Woher kommt Ihre Faszination für diesen Sport und gab es ein einschlägiges Ereignis, das Ihr Interesse am American Football geweckt hat?

Generell war die Kombination aus Sport und Schreiben schon lange meine Leidenschaft, die zunehmend zum Beruf wurde – allerdings zunächst fast exklusiv im Bereich Fußball. Das erweiterte sich nach und nach, die Begeisterung für Football habe ich aber tatsächlich meiner damaligen Freundin und heutigen Frau zu verdanken: Nach dem Abitur ging sie für ein paar Monate nach Texas, um dort ein Praktikum zu absolvieren. Als sie zurückkam, war sie felsenfest davon überzeugt, dass Football mir gefallen könnte. Ich brauchte eine Weile, schaute aber schließlich doch mal in eine Übertragung – damals liefen die Playoffs noch in der ARD – rein. Und was soll ich sagen? Ich war schnell fasziniert. Die Mischung aus Taktik und Physis, aus Rasenschach und extremer Athletik hat mich nie wieder losgelassen, ganz im Gegenteil.

Es ist gerade ihr Buch „American Football“ erschienen, darin geben Sie dem Leser Erklärungen zu Fachbegriffen und den Spielregeln, Erzählungen und Geschichten von Spielern an die Hand. Können Sie uns eine Ihrer Lieblingsanekdoten aus dem Buch verraten?

Ohne zu viel zu verraten: Der Football ist reich an tollen Anekdoten, die nicht selten auch den Weg für bahnbrechende Veränderungen geebnet haben. Etwa als William Heffelfinger 1892 im Stadtderby in Pittsburgh für 500 Dollar von einem der beiden Teams, welches das Angebot des Rivalen kurzerhand verdoppelt hatte, angeheuert wurde und prompt das Spiel mit einem Fumble und Touchdown entschied – Jahre bevor Bezahlungen üblich oder erlaubt waren. Oder als Präsident Roosevelts Einsatz für Reformen einen nicht zu verachtenden Anteil daran hatte, dass der Football die ernsthaften Forderungen nach seiner Abschaffung Anfang des 20. Jahrhunderts überlebte. Oder etwa die Geschichte der Entstehung der berühmten West Coast Offense der San Francisco 49ers um Joe Montana, die womöglich ganz anders verlaufen wäre, hätte sich ein vielversprechender junger Quarterback nicht verletzt…

Der American Football erfreut sich einer immer weiter steigenden Beliebtheit in Deutschland und lockt Millionen Zuschauer vor die Fernsehbildschirme. Wie betrachten Sie die Entwicklung und das steigende Interesse für den American Football und die NFL? Welchen Anteil haben ranNFL und SPOX.com an dieser Entwicklung und wie kann sich diese Entwicklung auf die GFL, die German Football League, auswirken?

Die steigende Präsenz in den Medien wie bei uns auf SPOX sowie im Free-TV hat fraglos einen riesigen Anteil. Gleichzeitig geht es natürlich gewissermaßen auch Hand in Hand: Für viele war Football eine ganz neue Entdeckung, da das allgemeine Interesse nach dem Ende der NFL Europe doch klar zurückgegangen ist. Und Football bietet nicht nur einen spannenden Kontrast zum Fußball, sondern auch für alle etwas: Taktik-Liebhaber kommen ohnehin voll auf ihre Kosten, aber auch wer auf Spektakel und Show oder auf sensationelle Athletik aus ist, wird kaum eine bessere Liga als die NFL finden. Außerdem ist die NFL in puncto Social-Media-Nutzung auf einem ganz anderen Level als etwa der Fußball hier, was großen Anklang findet und zur weiteren Verbreitung führt. Die Entwicklung wird meines Erachtens nach definitiv auch Auswirkungen auf den Football in Deutschland haben, gerade auch durch Geschichten wie die von Moritz Böhringer, der direkt aus der GFL im Draft ausgewählt wurde. Die Teams hier dürfen sich über größeres Interesse sowohl was potentielle Spieler als auch was Zuschauer angeht freuen. Die kommenden Jahre werden da sehr spannend zu beobachten.

Jüngst gab es beim DFB Pokalfinale eine Halbzeitshow, die stark an den Super Bowl erinnerte. Neben den Pfiffen gab es auch viele kritische Stimmen, die zum Ausdruck brachten, dass eine Veranstaltung wie das DFB Pokalfinale kein Super Bowl sei. Worin sehen Sie den Unterschied zu den USA, der NFL und dem Super Bowl?

In der NFL, aber auch im US-Sport generell, gehört die Show einfach dazu und die Fans wollen es gar nicht anders. Ins Stadion zu gehen hat vielmehr einen Event-Charakter, während Fußball hier gerade von den größten Fans möglichst unvermischt konsumiert werden will. Das bedeutet nicht, dass Football-Fans während der Spiele weniger mitfiebern: Wer selbst einmal nur am TV die Lautstärke in Seattle, Denver oder Kansas City gehört hat, wenn die gegnerische Offense auf dem Platz ist, für den erscheinen die meisten Fußballstadien über weite Strecken der 90 Minuten plötzlich in einem ganz anderen Licht. Die Show als Pausenfüller ist einfach eine willkommene Abwechslung und wird nicht als Störfaktor wahrgenommen. Natürlich ist die Halbzeit-Show beim Super Bowl das extremste Beispiel, aber auch bei ganz normalen Regular-Season-Spielen ist ein gewisses Show-Element immer gegeben. Persönlich muss ich auch sagen, dass ich die Reaktionen beim DFB Pokalfinale übertrieben fand. Viele Fußballfans hier legen eben noch deutlich größeren Wert darauf, möglichst keinerlei Ablenkung vom Spiel selbst zu haben und den Fokus nur darauf zu legen, alles andere ist für viele ein ungewolltes Nebengeräusch. Da ist die generelle Herangehensweise eine ganz andere.

Kommen wir doch wieder zurück zum American Football. Einer der bekanntesten deutschen NFL-Spieler ist ehemalige Spieler der New England Patriots, Sebastian Vollmer, der 2015 den Super Bowl gewann und seine Karriere jüngst beendete. Wie sehen Sie die Entwicklung der deutschen Spieler in der NFL und haben Sie einige hoffnungsvolle Spieler und Talente besonders im Blick?

Die Entwicklung insgesamt war jetzt über einige Jahre deutlich auf dem Vormarsch: Mit Sebastian Vollmer, Björn Werner, Kasim Edebali, Mark Nzeocha, Markus Kuhn und Moritz Böhringer hatten wir in den letzten Jahren eine relativ hohe Quote. Dadurch, dass Vollmer, Werner und Kuhn ihre Karriere beendet haben und Böhringer nach der Entlassung in Minnesota auf Teamsuche ist, erleben wir aktuell zwar einen kleinen Durchhänger – der Trend insgesamt wird in meinen Augen aber wieder positiver werden. Das liegt vor allem daran, dass Football in Deutschland immer präsenter wird und so auch mehr Kinder Interesse daran zeigen. Gleichzeitig etwa hat Björn Werner mit seinem „Gridiron Imports“-Projekt eine tolle Anlaufstelle ins Leben gerufen, um Athleten aus Europa den Sprung in die USA zu erleichtern – sportlich, aber auch was mögliche College-Stipendien angeht. Wir erleben hier ganz klar Entwicklungen in die richtige Richtung.

Zum Schluss noch eine Prognose, wenn wir schon einen Experten zur Verfügung stehen haben. Welche Duelle zeichnen sich in der NFL dieses Jahr ab und wer sind Ihre Favoriten auf den Titelgewinn, wenn die NFL am 04. Februar 2018 ihren Höhepunkt mit dem Super Bowl erlebt?

Einmal mehr sind die New England Patriots ein heißer Kandidat. Nach holprigem Start findet sich die Defense immer besser, während Tom Brady mit 40 besser spielt als mit Anfang 30. Größter Konkurrent in der AFC sind für mich die Pittsburgh Steelers, die eine potentiell enorme (wenn auch noch inkonstant abgerufene) offensive Feuerkraft mit einer jungen, aufstrebenden Defense geprägt von einer starken Defensive Line verbinden. In der NFC ist der Favoritenkreis größer: Die Philadelphia Eagles und die New Orleans Saints präsentieren sich extrem ausgeglichen, die Los Angeles Rams sind mit neuem Coach und einer deutlich kreativeren Offense auf dem Vormarsch und die Minnesota Vikings haben die wohl beste Defense der Conference. Die Seattle Seahawks darf man trotz einiger Ausfälle nie abschreiben, die Carolina Panthers finden langsam ihre offensive Identität in Ergänzung zu einer starken Defense. Aber mein Super-Bowl-Tipp lautet: New England gegen New Orleans!

 

Wir bedanken uns bei Adrian Franke für seine Zeit und Bereitschaft für das Interview!

Das Buch American Football – Alles was man wissen muss ist seit dem 22.01. im Buchhandel und beim Meyer & Meyer Verlag im Shop erhältlich.

 

Seiten 200
Formatangaben 13,6 x 20,5 cm, Paperback, 39 Abbildungen, s/w, 2 Tabellen, s/w
Erscheinungsdatum 22.01.2018

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