Stretching Effekte

Stretching Effekte

Der ungeliebte Underdog

Besonders im Fitnessbereich ist es eher unbeliebt und wird gerne gemieden oder man macht es einfach irgendwie, Hauptsache man hat es durch. Ja man macht es halbherzig, ziellos und oft weiß man gar nicht, wozu man es überhaupt macht, wann man es machen sollte und noch nicht mal, wie man es richtig macht. Die Rede ist von Dehnen oder Stretching, der Methode die unsere Beweglichkeit verbessern kann. Dabei ist es eine der grundlegenden konditionellen Fähigkeiten unseres Körpers und es nimmt völlig zurecht seinen Platz an der Seite der Ausdauer, der Kraft und der Koordination ein, die alle zusammen, wenn sie richtig trainiert werden, das Fundament für unsere körperliche Fitness bilden. Im Ausdauertraining trainiert der Sportler sein Herz-Kreislauf-System, man macht also eine Art Muskeltraining für das Herz und das hält uns gesund. Durch Krafttraining werden wir stärker und muskulöser. Koordination ermöglicht uns ein gutes Zusammenspiel der Nerven und Muskeln, so dass wir Treppensteigen, ein Rad schlagen oder im Rhythmus tanzen können. Und Dehnen?

Natürlich den Spagat zwischen zwei Stühlen machen…

Doch wer braucht schon sowas, schließlich kann man auch auf nur einem Stuhl sitzen, und das wesentlich bequemer! Doch so einfach ist es nicht. Unsere Beweglichkeit ist weitaus wichtiger für einen harmonisch funktionierenden Körper, als die meisten von uns glauben.

Grob kann man sagen, dass die Stretching Effekte, also die Dehnfähigkeit dreierlei Bedeutung haben:

  1. eine gute Beweglichkeit hat einen positiven gesundheitlichen Effekt.
  2. eine gute Beweglichkeit hat Einfluss auf ein ästhetisches Körperbild.
  3. durch eine gute Beweglichkeit kann man bei fast allen Sportarten seine Leistung optimieren.

Der gesundheitliche Effekt

Einer der Stretching Effekte ist der gesundheitliche Effekt, bei dem es im Grunde darum geht, unsere Gelenkmobilität zu erhalten. Unsere wilden Vorfahren mussten keine gymnastischen Übungen machen, da ihre Bewegungen im Alltag relativ abwechslungsreich waren. Laufen, Rennen, Sprinten, Klettern, sich in alle Himmelsrichtungen umschauen, das alles wird die Gelenkmobilität nicht verkümmern lassen. Dauerhaftes Arbeiten am Schreibtisch oder an verschiedenen Arbeitsgeräten zwingt uns aber oft eine bestimmte Haltung auf. Dabei werden bestimmte Muskeln statisch angespannt gehalten und andere immer leicht gedehnt. Und das oft sogar über Jahre. Zwangshaltungen können die muskuläre Balance in der Körperstatik stören und so verschiedene Erkrankungen des Bewegungsapparates begünstigen. Dynamisch aktive Schwunggymnastik kann da wahre Wunder wirken. Dabei werden die Gelenke und Muskeln in alle Richtungen bewegt und somit werden muskuläre Verkürzungen bzw. Verhärtungen vorgebeugt.

Dehnübungen lösen außerdem Verspannungen, Verhärtungen und Verklebungen im Gewebe und halten die Muskeln und Sehnen elastisch. Einer meiner Lieblingssprüche in diesem Zusammenhang: Bent so you don´t break.

 

 

Der ästhetische Effekt

Da die Stretching Effekte auswirkungen auf unsere Haltung und Bewegung haben entspringt der ästhetische Effekt im Grunde dem gesundheitlichen Effekt: sind unsere Muskeln und Sehnen geschmeidig und unsere Gelenke beweglich haben wir fast automatisch eine aufrechte Haltung und unsere Bewegung wirkt harmonisch. Nur am Rande: ist die Haltung gut, ist es nicht nur für den Bewegungsapparat gut, sondern auch für die inneren Organe, da sie beispielsweise nicht gequetscht werden, wie das bei diversen Fehlhaltungen der Fall ist.

 

Der leistungsoptimierende Effekt

Dehnübungen können dabei helfen die Leistung in einer Sportart zu verbessern. Manchmal ist es offensichtlich. Beim Kampfsportler sind die Tritte sicher stärker, leichter und auch ausdrucksvoller wenn der Sportler gut gedehnt ist, und nicht darum fürchten muss, sich bei jedem Tritt zum Oberkörper oder zum Kopf den Muskel zu zerren. Auch Tanzen, besonders Ballet, brauche ich wohl nicht zu kommentieren. Doch auch Fitnesstraining kann vom Dehnen profitieren. Besonders wenn es um freie Gewichte geht. Wer beispielsweise verkürzte Brustmuskulatur hat und unbeweglich in den Schultern ist (kann also seine Arme nicht direkt über dem Kopf ausstrecken, bei maximaler Bewegungsamplitude sind die Arme irgendwo vor der Stirn,) und Schulterdrücken stehend (Military Press) ausführt, wird vermutlich in ein extremes Hohlkreuz gehen, um das auszugleichen. Die Folge: Rückenschmerzen statt starken Schultermuskeln. Und solche Beispiele finden sich noch einige. Was also tun? Nun, im Spiegel überwachen, ob man die Übung richtig macht, und Dehnen!

 

Du siehst also, dass sich die verschiedenen Stretching Effekte aus dreierlei verschiedenen Winkeln betrachtet, lohnen und es Sinn macht einen Teil des Workouts dem Stretching zu widmen.

Man kann es sich auch etwa so vorstellen. Zieh dir eine sehr enge Jeans an, am besten eine, die ein paar Nummern kleiner ist, als du sonst trägst. Nun versuch mal in dieser Jeans einen Sandsack zu treten. Merkst du wie deine Unbeweglichkeit dir die Power nimmt? Nun versuch einmal ein paar Kniebeugen zu machen. Kannst du dich noch ernsthaft auf den zu trainierenden Muskel konzentrieren? Nein, kannst du nicht. Du würdest mit dieser zu engen Jeans nicht einmal Joggen gehen. Selbst ein fließendes Gangbild ist wohl eher nicht drin… Nicht nur wegen der besseren sportlichen Leistung würdest du diese Jeans gegen etwas Bequemeres tauschen. Stell dir vor, diese enge Jeans ist deine Muskulatur und deine Sehnen. Verstehst du worauf ich hinaus will?

Jetzt hast du eine Ahnung wozu du dehnen solltest. Die anderen Fragen, wie und wann man am besten dehnt, welche Methoden es gibt und wie man sein Training organisiert, werde ich in den nächsten Artikeln versuchen zu beantworten.

 

Wenn ihr außerdem euch weiterhin über das Thema informieren wollt würde ich euch gerne mein Buch Isometrisches Krafttraining, erschienen beim Meyer & Meyer Verlag, ans Herz legen. Hier gebe ich eine ausführliche Einführung in das Thema und gebe viele Praxistipps und Übungsvorschläge. Ihr findet es auch hier im Shop.

Mit sportlichen Grüßen

Euer Artjom Maier

2 Gedanken zu „Stretching Effekte

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