Rückenexperte im Interview

Rückenexperte im Interview – Ramin Waraghai

Ramin Waraghai weiß, wovon er spricht. Seit seinem 14. Lebensjahr litt er unter chronischen Rückenschmerzen. Nach jahrelanger Therapie hat er beschlossen, sich selbst zu helfen und zwar mit großem Erfolg. Dieser Erfolg veranlasste den Diplom-Sportwissenschaftler, ein eigenes Trainingskonzept zu entwickeln und so hat er 2016 das zertifizierte Online-Trainingsprogramm Rücken Fit Challenge herausgebracht. Seitdem verhalf er schon hunderten Personen zu mehr Rückengesundheit und Wohlbefinden.

Wir hatten das Glück mit Ramin Waraghai ein Interview führen zu können und von ihm auch ein paar Tipps für den Alltag zu bekommen.

Interview mit Ramin Waraghai

Herr Waraghai, Sie litten bereits als Jugendlicher unter immer wiederkehrenden Rückenschmerzen. In dem Alter ist man meistens noch unvernünftig und möchte trotz gesundheitlicher Einschränkungen mit dem Kopf durch die Wand. Haben Sie sich damals damit beschäftigt, wie Sie gegen die ständigen Schmerzen ankommen können? 

Da haben Sie Recht. In jungen Jahren macht man sich oftmals noch nicht viele Gedanken über die eigene Gesundheit und neigt daher dazu, die Signale des eigenen Körpers zu überhören. Auch mir war es damals wichtiger, gut auszusehen und nicht als „Loser“ dazustehen, weil ich aufgrund meiner Schmerzen nicht mehr zum Fußballtraining kommen konnte. Die einzige Initiative, die ich ergriffen habe, war ab und an zum Arzt zu gehen. Leider konnte man mir dort nicht nachhaltig helfen und so habe ich doch immer wieder fürs Durchbeißen entschieden.

 

Einige Jahre später zogen Sie sich einen doppelten Bandscheibenvorfall zu. Bereuen Sie es, dass Sie damals nicht mit dem Fußball spielen aufgehört und sich nicht richtig geschont haben?

Nein, bereuen tue ich das nicht. Es war meine Lieblingssportart und ich hatte noch große Ambitionen. Ich hätte mich damals jedoch noch mehr über die wahren Ursachen der Überlastungen informieren können, anstatt mich in die Opferrolle zu begeben und zu denken, ich hätte einfach Pech mit meinem Körper gehabt.

 

 

Ein Arzt riet Ihnen nach einer längeren Therapie dazu, die Karriere als Sportler an den Nagel zu hängen. Was gab Ihnen die Kraft, sich gegen diese Diagnose zu wehren und das Fußballspielen letztlich dann doch weiterzuführen?

Ich habe den Rat eher als Weckruf wahrgenommen, das Problem nun ernster zu nehmen und anzugehen. Aus dem Trotz gegen die Empfehlung meines Arztes heraus, habe ich mir gesagt, ich werde beweisen, dass es auch einen anderen Weg gibt. Deshalb besuchte ich über mein Sportstudium hinaus, in ganz Deutschland und den USA Weiterbildungen und Seminare, um über die wahren Ursachen von Rückenproblemen und mögliche Therapieansätze kennenzulernen. Dieses Wissen und die Fortschritte, die ich durch die Anwendung machen konnte, haben mich beflügelt und mir die Hoffnung gegeben, irgendwann wieder schmerzfrei Fußballspielen zu können.

 

Durch Ihr Studium konnten Sie auch von den größten Rückenexperten der Welt lernen. Was hat Sie an deren Therapieansätzen so fasziniert, was zum Nachdenken gebracht?

Am meisten hat es mich fasziniert, den Körper als Ganzes und seine Komplexität zu verstehen. Oftmals widersprachen sich die Experten jedoch, indem sie komplett gegensätzliche Trainingsempfehlungen aussprachen, die wohl auf den eigenen Erfahrungen mit einer speziellen Patientengruppe oder dem Versuch, mit Generalisierungen die meisten Menschen erreichen zu können, basierten. Das hat mich manchmal in kleine Krisen geführt, da ich nicht mehr wusste, wem ich nun glauben schenken sollte. Letztlich hat es aber stets meinen Horizont erweitert und mir die vielen Betrachtungsweisen und Lösungsmöglichkeiten offenbart.

 

Welche Ursache sind Ihrer Meinung nach die häufigsten für Rückenprobleme? Schließlich leidet nahezu jeder in seinem Leben einmal an Rückenschmerzen oder Nackenverspannung. Welche Gefahr sehen Sie bei Kindern und Jugendlichen, die entweder gar keinen Sport oder Leistungssport betreiben?

Wir wissen heutzutage, dass insbesondere chronische und immer wiederkehrende Rückenprobleme bio-psycho-soziale Ursachen besitzen. Das bedeutet, es sind Faktoren auf der biologischen, der psychischen und der sozialen Ebene, die unser imaginäres Fass füllen, bis es überläuft und Schmerzen auftreten. Ich würde daher nicht eine spezielle Ursache für grundsätzlich am wichtigsten betrachten. Die Gefahr lauert jedoch stets in den Extremen. Auf der einen Seite ist es zu wenig Bewegung und stundenlanges Sitzen, was zu Verkürzungen und Verspannungen führt und auf der anderen Seite ist es zu viel Belastung ohne entsprechende Regeneration, gepaart mit viel negativem Stress, wodurch das Fass zum Überlaufen gebracht wird. Dies gilt für junge Menschen, genauso wie für ältere. Studien zeigen, dass 40% der 14-Jährigen schon mindestens einmal in ihrem Leben mit Rückenproblemen zu kämpfen hatten. Alter ist bei Rückenschmerzen daher eine überbewertete Komponente, die oftmals gerne als Ausrede genutzt wird, um sich nicht aktiv um die Rückengesundheit kümmern zu müssen.

 

 

Vor zwei Jahren haben Sie ein sechswöchiges Onlinetrainingsprogramm Die Rücken Fit Challenge ins Leben gerufen, leben schmerzfrei und stehen für einen nachhaltig gesunden Rücken. Weshalb ist ein vielseitiges Training so wichtig / Was ist das Besondere an Ihrem Training, das nirgendwo anders zu finden ist?

Der Körper ist ein komplexes Meisterwerk, bei dem die verschiedensten Systeme miteinander interagieren. Wir meinen häufig, lediglich einen Faktor wie die schwache Rückenmuskulatur oder das Hohlkreuz für die Probleme verantwortlich machen zu können. Dabei ist es jedoch stets ein Zusammenspiel verschiedenster Faktoren, das zu den Überlastungen führt. Der „one size fits all“ – Ansatz ist daher aus meiner Erfahrung heraus in vielen Fällen nicht sinnvoll. Es bedarf einer individuellen Herangehensweise, bei gleichzeitiger Berücksichtigung der multifaktoriellen Ursachen. Dies gewährleisten wir – wie wohl kein anderes Programm – durch unseren 7-Übungen umfassenden Selbsttest zu Beginn des Trainings, sowie die zahlreichen Tipps und Übungen in den Bereichen Mentale Einstellung, Ernährung, Stressmanagement und Haltungen im Alltag.

Hier geht´s zur Website der Rücken Fit Challenge

Was war das schönste Feedback, dass Sie seit dem Start der „Rücken Fit Challenge“ bekommen haben? 

Ich kann gar nicht ein einziges herauspicken. Jedes Mal, wenn ein Teilnehmer uns schreibt, dass er nach unzähligen Versuchen nun endlich die jahrelangen Schmerzen in den Griff bekommen hat – sei es im Rücken, in der Schulter oder im Nacken – freue ich mich und fühle mich bestätigt, dass es der richtige Weg war, Menschen die Möglichkeit zu geben, sich im Komfort des eigenen Zuhauses selbst um ihre Rückengesundheit kümmern zu können.

Vielen Dank, Ramin Waraghai!

 

 

Tipps vom Profi

Ergonomischer Sitzplatz

• Tischhöhe zwischen 72-75 cm;
• die Augen sind auf Höhe der Oberkante des Bildschirms oder etwas darunter;
• Abstand zum Bildschirm 40-75 cm;
• 90-100° im Ellbogengelenk;
• rechter Winkel im Kniegelenk oder die Knie zeigen minimal nach unten.
• Zudem ist darauf zu achten, dass der Bildschirm nicht zu sehr spiegelt und mindestens 19 Zoll groß ist, der Raum hell genug und gleich mäßig ausgeleuchtetist und die Rückenlehne, Sitzhöhe und Armlehnen des Stuhls verstellbar sind.

 

Ergonomischer Stehplatz

• Du stehst einige Zentimeter vor der Tischkante und deine Unterarme liegen teilweise auf der Tischfläche auf.
• Deine Schultern sind entspannt und werden nicht hochgezogen.
• Deine Füße stehen fest auf dem Boden und werden gleichmäßig belastet. Ein Fuß kann gelegentlich auf einer Fußstütze abgestellt werden.
• Der Winkel zwischen Oberarm und Unterarm beträgt ungefähr 90°.
• Der Bildschirm steht so erhöht, dass deine Augen auf Höhe der Oberkante des Bildschirms oder leicht darunter sind.

 

Ergonomisches Autofahren

• Stelle die Rückenlehne so ein, dass das Lenkrad mit leicht gebeugten Armen zu erreichen ist und auch beim Lenken die Schultern Kontakt zum Sitz beibehalten können.
• Setze dich mit dem kompletten Rücken an die Sitzlehne. Deine Beine sollten bei durchgetretenen Pedalen leicht angewinkelt sein.
• Stelle die Sitzhöhe so ein, dass zwischen Kopf und Dachhimmel noch eine Handbreit Platz ist.
• Stelle die Sitzflächenerhöhung so ein, dass deine Oberschenkel locker aufliegen und gerade nach vorne oder leicht nach unten zeigen, während dein Gesäß im Kontakt zur Lehne bleibt.
• Die Sitzflächenlänge sollte so eingestellt sein, dass zwischen Kniekehle und Sitzvorderkante 2-3 Fingerbreit Freiraum ist.
• Dein Becken sollte wie bei der „natürlichen Sitzhaltung“ leicht gekippt sein. Eine kleine Lordosestütze könnte dir hierbei helfen.
• Die Seitenführungen des Sitzes sollten den Oberkörper seitlich unterstützen, ihn jedoch nicht bedrängen.
• Justiere die Kopfstütze so, dass zwar der Kopf geschützt, der Nacken jedoch nicht geschützt ist. Die Oberkante der Kopfstütze sollte auf Höhe der Oberkante des Kopfs sein.

 

Ramin Waraghai s Buch mit dem Namen Rücken Fit Challenge findet ihr beim Meyer & Meyer Verlag.

Wer noch mehr zum Thema Rückengymnastik und Schmerzprävention erfahren möchte kann sich in unseren früheren Posts zu dem Thema informieren.

Rücken die richtige Haltung mit Übungen

Stabilitätstraining

Rückenfaszien Teil 1

Rückenfaszien Teil 2

Rückenfaszien Teil 3

 

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