Osteopathie gegen Beschwerden

Osteopathie im Sport

Viele Freizeit-, aber auch Profisportler kämpfen mit demselben Beschwerden: mal ein Meniskusanriss hier, mal ein Muskelfaserriss da, während der Kollege oder beste Freund immer munter weitertrainiert und nie irgendwelche Beschwerden zu haben scheint. Doch woran liegt das?

Osteopathische Übungen

 

Da „Hobbysportler“ in meinem Falle eher eine charmante Umschreibung, als eine Tatsache wäre, kann ich diesbezüglich zwar nicht unbedingt aus eigener Erfahrung sprechen – aus beruflicher Sicht kann ich dann aber doch ein Wörtchen mitreden. Als Physiotherapeut/in vergibt man mit Erwerb des Staatsexamens offensichtlich auch den Freifahrtschein für alle Arten von Nachfragen und „ich zeig Dir das mal eben- Überfälle“ aus dem Bekannten- und Freundeskreis – auch wenn man sich hauptberuflich eher auf Kinder und Jugendliche spezialisiert hat. Da ich mich trotz meiner Spezialisierung aber immer noch für allerhand andere Bereiche interessiere, versuche ich mich dahingehend möglichst breit gefächert zu belesen.

Mit der Frage, wieso der eine Sportler mehr, der andere weniger verletzungsanfällig ist, beschäftige ich mich schon lange, so recht wollte mir bisher aber kein Erklärungsansatz wirklich gut gefallen. Dass mir die schlüssige Antwort zur Fragestellung, ausgerechnet in einem Buch über Osteopathie im Sport begegnen würde, damit hatte ich nicht gerechnet.

Der Bereich der Osteopathie interessiert mich, denn das ganzheitliche Denken ist etwas, was uns Therapeuten leider oft genauso fern liegt, wie den Ärzten. Jeder kennt nur seinen Teilbereich aber nur die wenigsten kommen auf die Idee, über den Tellerrand hinauszuschauen und die Ursache in einem anderen Fachgebiet zu suchen.

Petra Michaelis beschreibt in ihrem Buch „Osteopathie im Sport“ ziemlich genau, woran die Verletzungsanfälligkeit eines Sportlers – oder eben auch eines „Alltagsmenschen“ herrühren kann – und diese Erklärung fand ich ziemlich faszinierend.

In der Osteopathie gibt es ein so genanntes „Dreieck der Gesundheit“ – sind alle 3 Seiten ausgewogen, sind wir gesund und unser „Körper-Geist-Seele.System“ befindet sich in einer Art Balance. Ist eine dieser Seiten jedoch unausgeglichen, gerät das Dreieck und damit auch unsere Gesundheit ins Wanken. Über eine osteopathische Diagnostik kann nun herausgefunden werden, welcher Teil unseres Dreiecks ein „Problem“ aufweist und wie man es am besten behandeln kann. Dies ist besonders dann sinnvoll, wenn ein Sportler auch nach einer Pause immer wieder Beschwerden hat – oder besonders verletzungsanfällig ist.

Die Autorin gibt uns somit ein Werkzeug an die Hand, mit dem wir arbeiten können, sagt uns aber auch, dass man nicht alle Beschwerden osteopathisch behandeln kann. Vieles liegt an Muskeldysbalancen und das Problem kann mit einem regelmäßigen, angepassten Training beseitigt werden. Doch woher weiß ich, ob ich ein Fall für den Osteopath bin, oder das Ganze selbst in die Hand nehmen kann?

Zu allererst einmal mit speziellen Übungen, die recht schnell zeigen, ob die Ursache möglicherweise in einer zu schwachen Rumpfmuskulatur, einer Beinachsenfehlstellung oder verkürzter Muskulatur liegen könnte. Absolviert man diese regelmäßig und fachgerecht (Selbstkontrolle durch einen Spiegel oder einen Trainingspartner!), zeigt sich bald, ob man den Weg zum Osteopathen einschlagen sollte – oder eben nicht.

Im folgenden möchte ich euch die ein oder andere Übung zeigen, damit ihr einen kleinen Vorgeschmack darauf erhaltet, was euch erwartet. Beginnen wir doch mit zwei der „diagnostischen Übungen“, die jedoch nicht nur als Diagnosemöglichkeit dienen, sondern auch als regelmäßige Übung genutzt werden können.

– Rückenlage: Arme über dem Kopf ablegen
Ist dies nicht möglich, so kann dies verschiedene Ursachen haben (verkürzte Muskulatur, Arthrose im Schultergelenk, verstärkte Beugestellung der Wirbelsäule, etc.), Fakt ist jedoch, dass Überkopf-Sportarten risikoreicher sind.

 

Osteopathie
Bildquelle: Osteopathie im Sport – Petra Michaelis S. 36

 

– Standwaage
Ausführung:

  • Standbein leicht gebeugt, Oberkörper Richtung Horizontale bewegen, Spielbein nach hinten ausstrecken
  • die Krümmung der Lendenwirbelsäule (Lordose) halten, das Becken darf nicht nach außen gedreht werden (z.B. um das Bein höher halten zu können)
Osteopathie
Bildquelle: Osteopathie im Sport – Petra Michaelis S. 37

 

Kann diese Übung nicht sauber ausgeführt werden, ist ggf. die Beinrückenmuskulatur verkürzt, die Rückenstrecker zu schwach, die richtige Beinachsenstellung nicht gegeben oder die Balance unzureichend.
Als nächstes folgt etwas aus dem Übungsprogramm der Autorin. Auch hier gibt es viele verschiedene Übungen bzw. Varianten, die man – je nach Trainingszustand- nach belieben wechseln kann. Eine davon ist der Vierfüßlerstand.
– Vierfüßlerstand

Was beübe ich mit dieser Übung?

  • Die Rückenmuskulatur wird gekräftigt
  • Die Wirbelsäule wird mobilisiert

Ausgangsposition (Siehe Bild 1):

  • Handgelenke unter die Schultergelenke, Knie unter die Hüftgelenke
  • Lendenlordose ein klein wenig verstärken
Osteopathie
Bild 1: Bildquelle: Osteopathie im Sport – Petra Michaelis S. 73

 

Ausführung (siehe Bild 2):
Abwechselnd in den „Katzenbuckel
und die Ausgangsposition gehen (unter uns Physios auch augenzwinkernd als „Hängebauchschwein bezeichnet).

 

Osteopathie
Bild 2: Bildquelle: Osteopathie im Sport – Petra Michaelis S. 73

 

Variation 1:

  • Abwechselnd ein Bein gestreckt anheben
  • Endposition darf über die Waagerechte hinausgehen
  • Achtung: Das Becken darf nicht nach oben/außen aufgedreht werden


Richtige Ausführung:

 

Osteopathie
Bildquelle: Osteopathie im Sport – Petra Michaelis S. 74

 

Falsche Ausführung:


falsch
Bildquelle: Osteopathie im Sport – Petra Michaelis S. 74

Variation 2:

  • Hand und Bein (diagonal) anheben und so unter den Körper ziehen, dass sich Ellenbogen und Knie treffen – der Rücken wird dabei rund
  • Anschließend Bein und Arm ausstrecken, sodass mindestens die Höhe des Rückens erreicht wird, ggf. auch höher (sofern keine Ausweichbewegung geschehen (s. Variante 1) oder Schmerzen auftreten

 

Osteopathie
Bildquelle: Osteopathie im Sport – Petra Michaelis S. 75

 

Osteopathische Übungen
Bildquelle: Osteopathie im Sport – Petra Michaelis S. 75

Sollten die Beschwerden mit Hilfe dieser und vieler weiterer Übungen nicht beseitigt werden können, empfiehlt sich ein Besuch beim Osteopathen auf alle Fälle – oftmals findet dieser die Ursache rasch, das Problem kann beseitigt werden und einem neuen –verletzungsfreien – Wettkampf steht nun nichts mehr im Wege.

Für diesen Artikel haben wir das Buch Osteopathie im Sport vom Meyer & Meyer Verlag zur Verfügung gestellt bekommen. Das Buch von Petra Michaelis und weitere Informationen bekommt ihr hier.

 

Von Nina Wiesheu von Book-addicted.de

Weitere passende Übungen findest du in unseren Beiträgen von Gabi Fastner!

 

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